Forensisch-psychiatrischer Forschungsbereich

Der forensisch-psychiatrische Forschungsbereich, geleitet von Prof. Dr. Konrad, beschäftigt sich mit 

  • der Erfassung von Behandlungsproblemen im psychiatrischen Maßregelvollzug
  • der Entwicklung von "Behandlungspfaden" für psychosekranke und für persönlichkeitsgestörte Patienten des Maßregelvollzugs
  • mit der Erfassung der Delinquenzmuster, Persönlichkeitsstrukturen und Therapiebedarfe und -möglichkeiten bei Langstrafern

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Abgeschlossene Forschungsprojekte

Verlaufsstudie über forciert entlassene psychisch gestörte Rechtsbrecher aus der ehemaligen DDR


(Prof. Dr. med. H.-L. Kröber, Dr. med. S. Lau, S. Rusche)
Durch zwei Verfassungsgerichtsentscheidungen mußten in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung Maßregelvollzugspatienten aus gerichtlicher Unterbringung entlassen werden, obwohl bei ihnen weiterhin Gefährlichkeit angenommen wurde. Dadurch eröffnete sich die einmalige Chance einer Evaluierung kriminalprognostischer Entscheidungen anhand von Patienten, die sich normalerweise nicht legalbewähren dürfen. Es wird der Frage nachgegangen, inwieweit diese Patienten tatsächlich rückfällig werden und welche Faktoren mit dieser Rückfälligkeit zusammenhängen. Darüber hinaus soll geprüft werden, wie die kriminalprognostischen Entscheidungen begründet wurden und ob dabei genutzte Kriterien tatsächlich mit einer erneuten Straffälligkeit zusammenhängen.

Rechtsextremismus und Delinquenz in der Bundesrepublik Deutschland

(Dr. med. S. Lau, Dr. med. F. Wendt, Prof. Dr. med. H.-L. Kröber)
Rechtextremistisch motivierte Straftaten geraten zunehmend in den Blickpunkt der öffentlichkeit. In den Diskussionen der letzten Jahre entstand der Eindruck, daß es sich bei diesen Delikten um eine eigenständige und spezifische Form von Kriminalität handelt. Die Erfahrung aus Begutachtungen von meist jugendlichen, rechtsgerichteten Straftätern läßt jedoch vermuten, daß eine Reduktion der Tatmotive auf einen alleinigen politischen Hintergrund die Vielschichtigkeit des Problems nicht hinreichend erfaßt und so u.a. Präventionsmöglichkeiten verbaut werden.
Unter diesem Aspekt werden Strafverfahren ausgewertet.

Gefängnissuizid in Europa

(Prof. Dr. med. N. Konrad)
Die Untersuchung bearbeitet die Frage, wie sich in den Ländern Europas die Suizidraten ab 1983 in der Allgemeinbevölkerung und bei Inhaftierten entwickelt haben. Unter anderem wird geprüft, ob die in einzelnen Studien getroffene Feststellung, daß die Suizidraten in Haft gegenüber den Suizidraten in der Allgemeinbevölkerung um ein Mehrfaches erhöht sind, im innereuropäischen Vergleich Gültigkeit besitzt.

Prävalenz psychischer Störungen bei bestimmten Inhaftiertengruppen

(Prof. Dr. med. N. Konrad)
Nach internationalen Studien ist bei 38 - 95 % der Gefangenen eine psychiatrische Diagnose nach einem internationalen Klassifikationssystem zu stellen. Soweit Vergleiche mit der Allgemeinbevölkerung vorgenommen wurden, zeigte sich länder- und diagnoseübergreifend eine weitaus höhere Präverenz psychischer Störungen bei den Gefangenen. Methodisch fundierte Untersuchungen für Deutschland fehlen bislang. In dem Forschungsprojekt soll die Prävalenz psychischer Störungen an einer repräsentativen Stichprobe von Ersatzfreiheitsstrafern, männlichen Untersuchungsgefangenen und inhaftierten Frauen ermittelt werden.

Schizophren Erkrankte im Maßregelvollzug und in der Allgemeinpsychiatrie

(Prof. Dr. med. N. Konrad)
Unter den Patienten des psychiatrischen Krankenhauses gem. § 63 StGB nehmen die an Schizophrenie Erkrankten einen Anteil von etwa 30 - 40 % ein. Diesen Umfang an der Gesamtzahl der Diagnosen findet man meist auch in allgemeinpsychiatrischen Institutionen. Das Projekt verfolgt das Ziel, Schizophren Erkrankte in den beiden rechtlich unterschiedlich definierten Institutionen in soziodemographischer, psychopathologischer und forensischer Hinsicht vergleichend zu beschreiben.

Zur Problematik der sogenannten Haftpsychosen

(Prof. Dr. med. N. Konrad)
Haftpsychosen sind als diagnostische Entität im Bereich der Jurisprudenz ein etablierter Begriff, der jedoch weder in manchen forensisch-psychiatrischen Standardwerken noch in allgemeinpsychiatrischen Standardlehrbüchern abgehandelt wird. Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, ob sich "Haftpsychosen" von schizophrenen Störungen bei Gefangenen abgrenzen lassen und welche Besonderheiten Gefangene mit dem diagnostischen Label Haftpsychose in soziodemographischer, klinisch-psychopathologischer und forensischer Hinsicht aufweisen.

Forschungsbereichsleiter

Prof. Dr. med. Norbert Konrad

Kommissarische Leitung des Instituts für Forensische Psychiatrie, Stiftungsprofessur für Forensische Psychiatrie, Forensisch-psychiatrischer Forschungsbereich